FZMw Jg. 2 (1999) TM 3

 

Alexander Skrjabin

 

Klaviersonate Nr. 4 Fis-Dur op. 30

[Dichtung]

 

 

 

Komposition:1903
Text:vom Komponisten, ursprünglich französisch
Literatur:Schibli, Sigfried, Alexander Skrjabin und seine Musik. Grenzüberschreitungen eines prometheischen Geistes, München-Zürich: Piper, 1983 [insb. S. 176f.]

 

 

Text des Gedichtes:

 

1In leichtem Schleier, durchsichtigem Nebel
Strahlt weich ein Stern, weit weg und einsam.
Wie schön! Das bläuliche Geheimnis
Seines Glanzes winkt mir zu, wiegt mich ein.
Bring mich zu dir, ferner Stern!
Bade mich in deinen zitternden Strahlen, süßes Licht!
Heftiger Wunsch, wollüstiger, wahnsinniger, süßer,
Ohne Unterlaß verlange ich nach dir, kein
Anderes Ziel habe ich, als zu dir zu gelangen.
10Jetzt! Freudig schwinge ich mich zu dir empor,
Frei nehme ich meine Flügel.
Toller Tanz, gottgleiches Spiel!
Berauschendes, glühendes!
Zu dir, vielbewunderter Stern,
Führt mich mein Flug.
Zu dir, frei geschaffen für mich,
Zu dienen bis zum Ende - mein Freiheitsflug!
In diesem Spiel, reine Laune,
Vergesse ich dich für Augenblicke
20Im Strudel, der mich trägt,
Drehe ich mich in deinen flackernden Strahlen
Im Wahnsinn des Verlangens,
Du verblassendes, du fernes Ziel!
Du ausgedehntester Stern! Jetzt eine Sonne,
Flammende Sonne! Sonne des Triumphs!
Ich komme dir näher in meiner Sehnsucht,
Bade mich in deiner Wellenbewegung - du Freude-Gott!
Ich sauge dich ein, Lichtmeer, du Licht meiner selbst,
Ich verschlinge dich!

 


Dokument erstellt am 19. Dezember 1999

PD Dr. Wolfgang Krebs, Clemens Gresser