Abstract



Anna Valentine Ullrich:
Wiederholung und Kontrast: Musikalische Bearbeitungen als Prozesse der Sinnstiftung' [PDF]
Jg. 9 (2006), S. 91-109



Wie entstehen Bedeutungen in der Musik? Welche Rolle spielen dabei verschiedene Formen der Bearbeitung? Um sich diesen Fragen zu nähern, wird in einer interdisziplinären Herangehensweise ein Modell aus der Linguistik, die Transkriptionstheorie von Ludwig Jäger, für den Bereich des Musikalischen fruchtbar gemacht. In der Erprobung des Leit-begriffs "Transkription" im Musikalischen können Erkenntnisse über Funktion und Wirkung musikalischer Bearbeitungen sowie über die Entstehung von Semantik im Symbolsystem Musik gewonnen werden. Die "Transkription" - hier nicht in der musikwissenschaftlichen Verwendung - bezeichnet ein Verfahren medialer Systeme (wie die Musik), in denen Skripturen (Musikstücke) kursieren. Im Transkriptionsvorgang werden nun Skripturen aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang herausgelöst und in einen neuen Kontext gestellt, so dass ein quasi unabschließbarer Prozess der Kontextualisierung und Bearbeitung entsteht. Diese transkriptiven Bearbeitungen von vorhandenen musikalischen Strukturen durchziehen die Musikgeschichte epochen- und gattungsübergreifend und stellen grundlegende Strategien zur Generierung von Sinn in einer Kultur dar. Neue Aussagen können sowohl in innermusikalischen Bezugnahmen als auch in intermedialen Relationen zwischen Musik, Sprache und Bild formuliert werden. Musik befindet sich somit in einer ständigen transkriptiven Bewegung, in der die Bearbeitung als Grundtechnik musikalischen Schaffens im Spiel zwischen Wiederholung und Kontrast erscheint.


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Dokument erstellt am 20. November 2006